Liebe Mami und lieber Papi, lieber Hildegard und lieber Rainer, lieber Opa Richard, liebe Tante Eva, liebe Sabine und lieber Martin, lieber Jo und liebe Katharina, liebe Luca und liebe Nina, liebe Steins und liebe Hünerbeinchen, liebe Tanten und Onkel, liebe Cousinen und Cousins, liebe Patentanten und Patenonkel, liebe Freundinnen und Freunde aus Kindertagen, Schul- und Studienzeit, liebe Kölner, Karlsruher, Krefelder, Shanghainesen, liebe Blogleserinnen und Blogleser!
Du hast Dich in obiger Begrüßung wiedergefunden? Frohlocke, denn dann ist dies Dein ganz persönliches Weihnachtsgeschenk!!! Ein original Blog aus dem Hause Hünerstein: selbst gebastelt, bunt verpackt, platzsparend und umweltfreundlich.

Oder hast Du Dich etwa nicht entdecken können und bist nun tief getroffen, weil wir Dich vergessen haben? Dann verzeih uns bitte und lass Dir zum Trost gesagt sein, dass es nicht an Deinem Stellenwert in unserem Herzen sondern an Euer aller Vielzahl liegt, die einerseits wunderbar ist und andererseits eine ständige Herausforderung, der wir im Moment schlichtweg nicht gewachsen sind.
Dies ist uns spätestens seit Elenas Geburt klar geworden, als wir vor lauter Stolz und Freude 120 Geburtsanzeigen haben drucken lassen, die an jeden einzelnen von Euch gehen sollten, natürlich mit zusätzlicher persönlicher Karte, aber nun immer noch zur Hälfte in unserem Telefonschrank liegen und ihres Schicksals harren. Und damit nicht genug. Auf die Karten, die auf Reisen gegangen sind, kamen als Antwort Eure Glückwunschbriefe, Emails und liebevollst gepackte Päckchen, über die wir uns allesamt ganz doll gefreut haben, VIELEN DANK !!!, die aber gleichzeitig dazu führten, dass wir nun unrettbar in Eurer Schuld stehen. Dass wir es in diesem Zustand der Depression nicht geschafft haben, 120 Weihnachtskarten zu schreiben und über den Ozean zu schicken, wird niemanden mehr wundern. Dies war der traurige Teil der Weihnachtsbotschaft, der hiermit abgeschlossen sein soll.
Die gute Nachricht ist, dass wir nach einem Jahr Neuseeland immer noch alle gesund und glücklich sind und unseren Platz auf dieser Welt gefunden haben. Wir haben neue Freunde gewonnen (die ebenfalls keine Weihnachtskarten von uns bekommen), haben uns in Schule und Arbeitsplatz eingelebt, mögen unser Haus, lieben unser Baby, essen Salat aus dem Garten, und sind in freudiger Erwartung auf frische Eier, die Antons neue Hühner demnächst ganz sicher legen werden. Unser Alltag ist gut ausgefüllt mit den mannigfaltigen Verrichtungen des täglichen Lebens: Arbeiten, Lernen, Lesen, Wäschewaschen, Brotbacken, Aufräumen, Unkrautzupfen, Klavierspielen, Katzenfüttern…………….. und der nicht zu unterschätzenden Herausforderung, zu Sechst unter einem Dach zu leben.
Ben ist mittlerweile an mir vorbei gewachsen, hat eine tiefe Stimme und den Kopf voll Locken bekommen und unterliegt auch sonst den lebensabschnittgemäßen Entwicklungen. Er hat sein erstes englischsprachiges Schuljahr mit Bravour und einer Auszeichnung in Musik bestanden und hat sich hohe Ziele für das nächste Jahr gesteckt. Statt Spanisch hat er diesmal Musik zu einem seiner Hauptfächer gewählt, möchte in die Schulband, hat sich selber Klavierunterricht organisiert und zeigt in dieser Richtung eine große Begabung. Wir freuen uns schon sehr auf kommende Darbietungen.
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Anton läuft zu Höchstform auf, wenn er am Ende des Weges ein für ihn lohnendes Ziel sieht. Seine Stärken liegen eindeutig im mathematischen und analytischen Bereich, aber auch beim Lesen dicker Schinken ist er im letzten Jahr richtig auf den Geschmack gekommen. Schreiben ist nach wie vor nicht seine Lieblingsbeschäftigung, aber er gibt sich sehr viel Mühe, besser zu werden. Er beschäftigt sich gedanklich viel mit den großen Problemen dieser Welt, die ihn mitunter nicht schlafen lassen, und träumt davon, der Menschheit mit bahnbrechenden Erfindungen den rechten Weg zu weisen. Anton und Ben machen jeden Montag und Mittwoch knallhartes Karatetraining und entspannen sich in ihrer Freizeit bei ihrer derzeitigen Leidenschaft, dem Gestalten und Anmalen von Warhammer Figuren. Die Hühner sind Antons neuste Geschäftsidee. Er hat mit Jens Hilfe seine neun Quadratmeter Garten eingezäunt, einen Stall organisiert und sich vier angeblich legefreudige braune Hühner besorgt. Er macht die Arbeit, kauft das Futter, wartet sehnsüchtig auf den Eiersegen, den er mir dann verkaufen will.
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Johanna weiß ganz genau was sie will und steckt viel Energie in die Erreichung ihrer Ziele. Sie tanzt zweimal in der Woche, lernt weiter Chinesisch und würde am liebsten noch jeden Tag reiten, einen Hund haben, Bücher schreiben und armen Menschen helfen. Manchmal überschätzt sie dabei ihre Kräfte und braucht eine Pause, möglichst mit “Hanni und Nanni” im Bett. Sie ist sehr treu und macht sich viele Gedanken um die Mädchen in ihrer Klasse, gute Freundinnen aber auch solche, die mitunter anstrengend und launisch sind. Sie ist sehr einfühlsam und leidet manchmal unter dem rauen Ton, der hier zuweilen herrscht. Dann zieht sie sich in ihr Zimmer zurück und übt Ballett oder malt. Sie ist eine hungrige Bücherverschlingerin und lagert stets große Stapel Lesefutter neben ihrem Bett, damit sie immer gut versorgt ist.
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Und Elena? Wir sind uns alle einig, dass sie das niedlichste, lustigste, liebste, zufriedenste, goldigste Baby auf der ganzen Welt ist und genießen es in vollen Zügen, sie bei uns zu haben. Sie lernt gerade, sich auch im Vorwärtsgang fortzubewegen, hat zwei spitzzackige Zähnchen und hat uns alle mit ihren kleinen speckigen Händen voll im Griff, vorzugsweise an den Haaren. Vom Temperament her ist sie eher stillvergnügt als himmelhoch jauchzend, lächelt viel, ist aber sparsam mit Lachen. Sie ist eine ausdauernde Überin und eine geduldige Beobachterin, ist gerne draußen im Garten, hochinteressiert an den Katzen und Hühnern, rupft an Hecke und Gras, schaut den Blättern beim Schaukeln zu und pult das Unkraut aus den Ritzen.
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Wenn Elena im Garten auf der Decke liegt, kommt der schwarze Kater, macht es sich neben ihr bequem und lässt sich geduldig an den Ohren ziehen. Er ist sehr liebebedürftig und hat wahrscheinlich die Welt nicht mehr verstanden, als mit Elenas Geburt meine Hormone von “ich liebe alles mit Kindchenschema” auf “ich liebe nur noch mein eigen Fleisch und Blut” umgeschaltet haben. Ich konnte dieses vertrauliche Katzengeschmuse plötzlich nicht mehr vertragen und war sehr abweisend. Allmählich pendelt sich alles wieder ein und ich kann mein Herz sogar für unsere Hühner erwärmen. Unser graues Katzentier ist leider nicht ganz so verkehrstauglich, wie es für eine Stadtkatze ratsam wäre. Sie hat in ihrem ersten Lebensjahr schon mindestens drei ihrer neun Leben verpulvert und liegt gerade mal wieder mit einer langen Narbe unterm Bauch neben mir. Beim Tierarzt bekommen wir mittlerweile Mengenrabatt.
Jens und ich sind weiterhin ein gutes Team, er verdient die Kohle und ich mache was ich will. Über den Wechsel zu seiner jetzigen Firma ist Jens nach wie vor sehr froh, das Klima gefällt ihm gut, seine Kollegen sind nett und sein Aufgabenbereich ist komplex genug um noch lange interessant zu bleiben. Hier in Neuseeland gibt es immer wieder die verschiedensten Aktionen um Geld für caritative Zwecke zu sammeln und auch die Firmen machen mit. Jens ist schon im Kollegenteam um dem Berg gelaufen und hat sich im “Movember” den Bart abrasiert um mit einem neuen Schnäuzerdesign Mr MowBro zu werden und damit Geld für die Prostatakrebshilfe zu ersponsern. So lässt sich der Alltag gut ertragen. Noch besser geht es, wenn nachmittags um vier der Wind stimmt und er von seinem Fenster im fünften Stock die ersten Kitesurfer sieht. Dann genügt ein kurzer Anruf zu Hause, die brave Ehefrau packt das Auto und bringt Drachen, Brett und Outfit an den Strand, wo dem zappeligen Jens das Adrenalin schon durch die Adern rauscht. Zehn Minuten später ist er auf dem Wasser. An manchen Tagen hält der Wind nicht, was die Vorhersage versprochen hat, ist zu schwach, zu stark oder dreht. Oder die Wellen sind zu hoch, das Wetter zu nass oder die gesammelte Kitesurfergemeinde an einem anderen Strand. Dann ist Jens traurig. Dafür ist sein Glück bei 20 Knoten Westwind umso größer, dann fliegt er über das Wasser, feilt an seinen Wenden, wagt ein Sprünglein, übt Kunststücke und hat beim Abendessen ganz glasige Augen vor lauter Begeisterung. Die frische Luft ist Balsam für seine in Shanghai verklebte Seele und lockt ihn zu jeder Gelegenheit nach draußen. In den Mittagspausen joggt er am Strand, am Wochenende fährt er mit Johanna Inliner, geht mit den Kindern Ski fahren, wandern, radfahren, schwimmen, schnorcheln. Es ist schön, ihn so lebendig zu sehen.
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Glücklicherweise muss ich nicht alles mitmachen, meine Lust an derartigen Aktivitäten hält sich nämlich sehr in Grenzen. Schwimmen im Sommer ist schön, wandern auch, aber mitten im Winter im kalten Wasser zwischen klüftigen Felsen wehrhafte Lobster aus ihren Löchern ziehen will ich nicht. Mein bevorzugter Aktionskreis ist klein, überschaubar, eingezäunt und sicher: mein Garten. Nachdem ich durch mehrere Phasen der Euphorie und Ernüchterung gegangen bin hat mich das Selbstversorgerfieber jetzt wieder voll erwischt und ein Großteil meiner Gedanken kreist darum, wie ich den mir zur Verfügung stehenden Platz optimieren kann. Efeu ist mir ein Dorn im Auge, macht er sich doch an kostbaren Zaunen breit ohne irgendeinen essbaren Nutzen zu bringen. Weg damit und flugs durch eine Passionsfrucht ersetzt. Ziersträucher sind Schmarotzer, die mit ihren dreisten Wurzeln wertvolle Nährstoffe aus dem Boden saugen und sie meinen Tomaten stehlen. Unerhört und in meinem Garten nicht mehr erlaubt. Nur ein bisschen Kapuzinerkresse hier und ein wenig Borretsch dort, damit sich die Bienen wohl fühlen und die Läuse ausbleiben, das erfreut mein Gärtnerinnenherz. Im Hinterhof muss jetzt die Wäschleine weichen, weil ich in dieser wunderbar geschützen Ecke vier Hochbeete bauen will. Das Holz liegt schon bereit und mein Haus- und Hofbaumeister hat seine Hilfsbereitschaft signalisiert. Heute Abend gab es wieder Salat aus meinem Garten, fünf Minuten vor dem Verzehr geerntet und knackig wie ein Kinderpopo. Das sind die Dinge, die mich glücklich machen.

Ich bin so dankbar, dass wir die Freiheit haben, unser Leben zu gestalten und mag es ganz genau so, wie es jetzt ist. Nur ein Phänomen widersetzt sich hartnäckigst und impertinent meinen Umformungsversuchen. Weihnachten ist immernoch im Sommer. Ich konnte weder den Dezember dazu bewegen, mit dem Juni zu tauschen noch die Sonne motivieren, sich mal eine zeitlang auf die Nordhalbkugel zu verziehen. Es bleibt eine Übung in Demut.
Glücklicherweise sind Rainer und Hildegard extra eingeflogen und wir freuen uns, dass sie bei uns sind. Sie haben neben sich selbst ein bisschen alte Heimat mitgebracht, Dominosteine, Marzipanbrot und echtes deutsches Pflaumenmus. Leider war keine Dose Organisationstalent dabei, deshalb gab es erst zu nachtschafender Stunde das Weihnachtsfondue. Beim anschließenden Liedersingen um den Weihnachtsbaum sind dann die ersten schon eingeschlafen. Bescherung gibt es ja bei uns traditionell erst am Weihnachtsmorgen, diesmal bei sonnigem Frühsommerwetter und Vogelgezwitscher. Elena hat Hildegard ein ganz besonderes Geschenk gemacht. Sie lag auf ihrem Schoß, hat sich minutenlang in ihre Augen versenkt und ist dann friedlich eingeschlafen. Weihnachtssegen in seiner reinsten Form.

Euch allen wünschen wir, unabhängig von Ort und Außentemperatur, ein schönes Weihnachtsfest und ein glückliches und gesundes neues Jahr 2010.